100 Jahre Karneval in Plaidt

Die Geschichte des Plaidter Karnevals ist gekennzeichnet durch ein ständiges Auf und Ab. Propagierten Zusammenschlüssen folgten Eigenbrötlereien, ehe 1971 mit der „Großen Karnevals-Gesellschaft Plaidt e. V.“ (G.K.G.) ein dauerhafter und lebensfähiger Zusammenschluss gebildet wurde. Länger als vor hundert Jahren – mündlich überliefert – hat es auch hier in unserem schönen und vor allen Dingen geselligen und gastfreundlichen Plaidt zu Fastnacht Masken und Kostümtreiben gegeben. Der Grund lag wohl darin, dass schon damals die Einwohner (um 1890 rund 1500) immer frei waren und sich lebendig und umgänglich fühlten.
Wahrscheinlich hat auch die langsam wachsende Industrialisierung, als Stichworte seien hier Basalt, Tuffstein und die bimsverarbeitende Industrie genannt, beigetragen. Die Folge war, dass die in den genannten Industriezweigen tätigen Menschen nach getaner Arbeit über festes Einkommen verfügen konnten. Nach Feierabend war es dann üblich, dass sich die Männer vor den Häusern sowie in den Gasthäusern, die an vielen Stellen praktisch aus dem Boden gestampft wurden, trafen.
Hier wurde bei Bier, beim Schoppen oder Schnaps, wie das ja heute noch der Fall ist, manches ausgeheckt und vor allen Dingen Vereine gegründet. Zu vermerken wäre auch noch, dass sich die Bauern oder Landwirte, auch wenn sie oft von morgens 4.00 Uhr bis in die späte Nacht hinein im Stall oder auf dem Acker tätig waren, den Sprung in die Kneipe nicht verkneifen konnten. In dieser Zeit war es üblich, dass die Besitzer oder Betreiber von Gemischtwarenläden nebenbei auch noch eine Gaststube unterhielten.
So befand sich auch „Auf der Pütz“ ein solcher Laden, zu dem eine Gaststube mit einem kleinen 100 Jahre „Plääd Alaaf“ Saal gehörte. Der Besitzer, ein Kaspar Schommer später Metzgerei Nachtsheim und Steffmacher, hatte die Initiative ergriffen und scharte eine Anzahl lebenslustiger Männer um sich. Im Jahre 1888 sollen sich ca. 30 Mann dort getroffen haben, um den „Karnevalsverein Humor“ zu gründen. Das Lokal ist auf dieser Seite abgebildet.
Der 1888 intern gegründete Verein trat jedoch erst im Jahr 1890 an die Öffentlichkeit, nachdem diese Gruppe am 14. Dezember 1890 eine Satzung aufgestellt hatte. Auf dieser Versammlung wurde Jacob Waldorf zum Präsidenten und Josef Barz zu seinem Stellvertreter gewählt. Johann Neukirch fungierte in Personalunion als Schriftführer und Kassierer.
Die offizielle Anmeldung erfolgte am 30. Dezember 1890 bei der „Königlich preußischen Amtsverwaltung Andernach- Land“.
Die Anmeldung wurde von den Ordnungshütern des Bürgermeisteramtes überprüft und von dem damaligen Amtsbürgermeister Adam, der Name ist der älteren Generation noch bekannt, genehmigt. 1890 ist somit offizielles Gründungsjahr des organisierten Karnevals in Plaidt. Der Text des Protokolls und der Statuten, die am 14. Dezember 1890 im Gasthaus Schommer zusammengestellt wurden, sind nachstehend auszugsweise wiedergegeben. Hier die Reinschrift:

I. Die Gesellschaft führt den Namen Humor mit dem Sitz in Plaidt. Zusatz Die Gesellschaft hat den Zweck, den gegenseitigen freundlichen Verkehr unter den Mitgliedern anzuregen.

II. a) Zur Unterhaltung sind humoristische Vorträge bestimmt. Dieselben sollen von Neujahr bis Fastnacht jeden Sonntag in einer näher zu bestimmenden Zeit stattfinden im Lokal des Herrn Zillien zu Plaidt. b) Abhaltung eines Festzuges an Fastnacht- Dienstag c) die Moralität für Staat und Kirche in dem Humor zu schützen.

III. Bildung und Leitung der Gesellschaft Als Mitglied kann jeder unbescholtene Bürger von Plaidt aufgenommen werden, jedoch muß derselbe das 18. Lebensjahr erreicht haben.

IV. Die Anmeldung zur Aufnahme kann schriftlich oder mündlich beim Vorstande geschehen und bleibt die Aufnahme letzterem überlassen, welcher auch das Recht hat, über den Kassenbestand zu Gunsten der Gesellschaft zu verfügen.

V. Ein jeder neu Eintretender hat bei seiner Aufnahme eine Mark Eintrittsgeld zu entrichten sowie einen Beitrag jede Woche vom 1. Dezember bis Fastnacht einschließlich 10 Pfennig zu zahlen.

VI. Die Leitung und Verwaltung besorgt der Vorstand, welcher besteht aus a) dem Präsidenten, b) Vize-Präsidenten, c) Schriftführer, d) Kassierer, wovon die beiden letzteren auch aus einer Person bestehen können. Sodann sind drei Mitglieder aus der Gesellsd1aft zu wählen, welche notwendigen Falls über alle Unstimmigkeiten in der Gesellschaft Bescheid erhalten und sich die Betheiligten vom Beschlusse derselben unbedingt zu unterwerfen.

VII. Die Wahl des Vorstandes soll in der Regel im Monat Dezember stattfinden und geschieht dieselbe mit verdeckten Stimmzetteln. Haben jedoch zwei Mitglieder die gleiche Stimmenzahl, entscheidet das Loos.

VIII. Die Redmungs-Ablage findet in der ersten Hälfte des Monats März statt durch den Kassierer.

IX. Wer in Folge Verziehung aufgehört hat, Mitglied der Gesellschaft zu sein, hat, sobald er sich bei seiner Rückkehr anmeldet, das Recht ohne nochmalige Zahlung des Eintrittsgeldes wieder beizutreten.

X. Die Sitzungen werden durch den Präsidenten geleitet und bei dessen Verhinderung von dessen Stellvertreter.

XI. Außerordentliche Versammlungen müssen wenigstens von einem Drittel der Mitgliederzahl beantragt werden unter Angabe der Gründe und ist dann der Präsident verpflichtet, innerhalb von acht Tagen die Versammlung einzuberufen.

XII. In jeder Sitzung sowie General-Versammlung hat sich ein jeder in den Grenzen des Anstands zu benehmen.

XIII. Jedes Mitglied ist für alle Unfälle für seine Person, welche in den Sitzungen oder beim Festzuge etwa vorkommen sollen, haftbar und kömmt die Gesellschaft für nichts auf.

XIV. Für die Unkosten, welche durch den Beitrag nicht gedeckt werden, haftet die ganze Gesellschaft solidarisch.

XV. Wer Eigentums-Gegenstände der Gesellschaft freiwillig beschädigt oder zurückbehält, hat für den vollen Werth aufzukommen.

XVI. Mitglieder, welche länger als 3 Wochen mit ihren Beiträgen im Rückstand sind, können nach einmaliger Aufforderung aus der Liste gestrichen werden.

XVII. Wer sich Vergehen oder Widergesetzlichkeiten gegen die Anordnungen des Vorstandes oder absidatliche Beleidigungen Seite3: bei Versammlungen gegen ein Mitglied zu Schulden kommen läßt, kann durch Beschluß der Schiedsrichter aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

XVIII. Die aus der Gesellschaft freiwillig oder unfreiwillig ausgeschiedenen Mitglieder haben keinen Anspruch auf Rückzahlung der geleisteten Beiträge und Eintrittsgelder. Aufhebung der Gesellschaft

XIX. Sollte die Mitgliederzahl auf 10 herabgesunken sein, so kann die Auflösung beantragt werden und müssen dann wenigstens zwei Drittel für Aufhebung der Gesellschaft stimmen und ist dann der verbleibende Kassenbestand zum Besten der hiesigen Armen bestimmt. Vorstehendes Statut wurde in der heutigen Versammlung festgestellt und der königlichen Polizei-Behörde Andernach- Land zur gefälligen Genehmigung vorgelegt.

P l a i d t , den 14. Dezember 1890 Der Vorstand der Carnevals Gesellschaft Humor: Jacob Waldorf ‚ Präsident Josef Barz Stellvertreter Johann Neukirch Schriftführer (Kassierer) Das Gasthaus Schommer wurde um die Jahrhundertwende verkauft und als Metzgerei umgestaltet. Die Männer des geselligen „Karnevalsvereins Humor“ sahen sich nun gezwungen, nachdem sich die Gruppe in den Folgejahren erheblich vergrößert hatte, ein neues Gasthaus zu finden. Hierfür eignete sich die Gast- Zillien heute Gasthof Greda Krämer – in der Hauptstraße (vgl. II der Satzung). Der Gasthof Krämer verfügte über einen größeren Saal und eignete sich daher vortrefflich für Zusammenkünfte der Plaidter Karnevalisten. Größere Säle wurden erst um und nach der Jahrhundertwende erbaut. Über Veranstaltungen oder Fastnachtsumzüge gibt es bis zum Jahre 1913 keine Aufzeichnungen. In diesem Jahre, das Jahr des inoffiziellen 25jährigen Bestehens der „Carnevals Gesellschaft Humor“, fand ein Karnevalszug mit acht Wagen statt. Initiatoren dieses ersten, für Plaidt belegten Fastnachtszuges in Plaidt waren der damals erkorene Prinz Josef Pinger, genannt Prinz Josefus von der Höhe, der Lotterie- und Bürgerkasinoverein und andere. Das Zugmotto lautete „Frühling, Sommer, Herbst und Winter“. Nach der Überlieferung soll es sich bei dem Prinzenwagen um einen Prachtwagen aus Samt und Seide gehandelt haben. Prinz Josefus stand als Lohengrin in einem Kahn, der von zwei mächtigen Schwänen gezogen wurde. Zum Schutz des Prinzen wurde damals auch eine Prinzengarde aufgestellt.

Am 3. September 1971 fand die Gründungsversammlung statt. Am 20. September 1971 fand dann im Gasthaus „Dorfschänke“ die erste Hauptversammlung statt. Dabei wurde der Vorstand dieses Vereins gewählt.“ Der „Gründungsvorstand“ der G.K.G. bestand aus folgenden Personen: Edmund Dreiser (Präsident), Manfred Debüser (Stellvertreter des Präsidenten), Walter Krämer (Geschäftsführer), Albert Müller (Schatzmeister), Manfred Schäfer (Protokollarius), Josef Biedenbach (Kassierer) und Dietmar Kirsch, Anton Leber, Anton Mürtz, Bodo Peters, Klaus Schäfer, Josef Schmitz, Balthasar Ulmen und Bodo Unger als Beisitzer. Die Gründung der G.K.G. führte zu einer Reihe von Neuerungen im Plaidter Karneval; eine sei genannt: Man wagte ab 1972, die jährliche Prunksitzung in eigener Regie durchzuführen und in die Turnhalle der Grundschule zu verlegen. Ohne die aktive Mithilfe der Ehefrauen des Vorstands und Komiteemitglieder und den vielen anderen freiwilligen Helfern wäre die Idee im Versuchsstadium stecken geblieben. Edmund Dreiser und Manfred Debüser sorgten für frischere Vorträge, neue Gesichter und wieder volle Tischreihen.
Erstes Prinzenpaar nach der Gründung der G.K.G. war in der Session 1972 Wolfgang Schraven und Magdalene Huppert. Sie konnten auf die volle Unterstützung des Bimbo-Clubs zählen. Diese sehr aktive Gruppe hat sich mit dem Bau toller Prunkwagen ihren Platz in der Plaidter Karnevalsgeschichte gesichert. Als Kanzler fungierte einmal mehr Manfred Debüser. 1974 amtierten Ewald Seiffen und Elke Wunsch als Prinzenpaar, als Kanzler stand ihnen Norbert Kreier zur Seite.

Prinz Ewald I. von der Römerburg zu Rayllinghausen konnte auch als Büttenredner unterstützt von seinem Ziegenbock die Lachmuskeln seiner Untertanen strapazieren. An den „Almhirten-Vortrag“ mit einem echten Ziegenbock in einer Badewanne wird sich heute noch gerne zurückerinnert. Als „Zugpolizist“ sorgte Thomas Leber 1974 erstmals offiziell für die Einhaltung der öffentlichen Ordnung am Straßenrand. Er nimmt diese wichtige Aufgabe bis heute wahr. Durch private Kontakte wurden damals die Verantwortlichen der G.K.G. auf eine Gruppe aufmerksam, die sich „Majorettes Ble’s dor“ nannte und aus Morangis (einer französischen Kleinstadt nahe Paris) stammte. Mit dem Gedanken, dass diese Gruppe mit ihren schönen Kostümen und wirbelnden Stöcken den Umzug verschönern könnte, lud man diese kurzerhand für Karneval 1974 ein. Die dadurch entstandenen Freundschaften führten letztlich dazu, dass es 1976 zu einer offiziellen Partnerschaft zwischen Plaidt und Morangis kam. Die französischen Mädchen hatten großen Eindruck hinterlassen, so dass es kein Wunder war, dass 1975 in Plaidt eine Majorettengruppe gegründet wurde. Durch Aufrufe in der örtlichen Presse konnten spontan über 30 Mädchen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren motiviert werden, aktiv als „Majorettes“ zu beginnen. Inzwischen sind viele Gesellschaften in benachbarten Städten und Gemeinden dem Plaidter Beispiel gefolgt.